Die
Allgemeine Zeitung schreibt über die Premiere vom 18.12.2006:
"Ich
will ein Clown sein", singt Lars Reichow ein Chanson von Hanns
Dieter Hüsch und belebt posthum eine alte Tradition wieder neu:
Hüsch gab stets in der Woche vor Weihnachten im Unterhaus ein
Konzert, und viele Freunde der beiden Kabarettisten sind mit
Erinnerungen und Erwartungen gekommen - wohl keiner ging enttäuscht
nach Hause.
Der
Abend mit dem Titel "Hüsch & ich" ist geprägt
von großem Respekt wie tiefer Zuneigung, und Reichow kündigt
an: "Großer Hüsch und kleines Ich." Der
Altmeister selbst habe ihn 1982 als 16-Jährigen mit auf seine
Hagenbuch-Tournee genommen und auch seine beiden letzten Konzerte mit
ihm zusammen gestaltet - kein Zweifel: Reichow hat Hüsch viel zu
verdanken. Und in seinen Texten und Liedern blitzt zuweilen der
Schalk des "schwarzen Schafs vom Niederrhein" auf.
Aber
Lars Reichow kopiert seinen kabarettistischen Mentor nicht - auch an
diesem Abend nicht: Der Mainzer interpretiert eine Auswahl von Hüschs
Nummern auf seine eigene Art; was dabei herauskommt, ist eine
stilistische Collage, in der die vielseitigen Facetten der beiden
Künstler immer wieder aufleuchten. Reichow liest eine von Hüschs
Hagenbuch-Nummern vor und schließt wenig später daran eine
eigene an: Hagenbuch zu Ehren - gemeint ist Hüsch - soll in
Mainz ein Denkmal errichtet werden, und Reichow unternimmt einen
rasant spöttischen Höhenflug über die Niederungen des
Lokalkolorits und baut mit rasierklingenscharfer Aktualität
sogar noch den Landesfürsten Beck mit ein.
Doch
es gibt auch leise Töne, die nicht auf Teufel komm raus
besinnlich sein wollen und es gerade deshalb sind: Zu Beginn lässt
er Meenzer und Määnzer über Hüsch, den
Bretzenheimer mit Ecken und Kanten reüssieren - und am Schluss
dieser Einleitung spricht sich Reichow selbst das Wort: "Ich
könnte heulen, dass er nicht mehr da ist." Man möchte
mit einstimmen.
Hüschs
Erlebnisse 1968 auf der Burg Waldeck, Reichows Geschichte von der
tapferen Sülze kurz vor dem Verfallsdatum, Hüschs Lied für
die "seitlich Weggeknickten", Reichows Kinderbetrachtung -
oft weiß man nicht genau: Ist das jetzt von diesem oder von
jenem?
Der
Schluss des Programms könnte dann besser nicht gelingen: Statt
selbst Hüschs bekanntes Gute Nacht-Lied (und Reichows
Lieblingslied) zu singen, erklingt es vom Band, was jedem im
Unterhaus die Möglichkeit gibt, sich noch mal ein Konzert oder
eine persönliche Begegnung mit dem Künstler ins Gedächtnis
zu rufen, dessen Name in Kleinkunstkreisen immer einen besonderen
Klang haben wird. (Allgemeine Zeitung vom 20.12.06)
|