Hüsch & ich

Ein Abend über Hanns-Dieter Hüsch
Von Lars Reichow

Hüsch! Die fahrende Legende des deutschen Kabaretts.
250 Mal im Jahr stand der musikalische Poet und schnellsprechende Geschichtenerzähler auf der Bühne. Seine komödiantischen Beobachtungen, seine philosophisch-absurden Texte und Lieder sind von einer künstlerischen Substanz und Vielschichtigkeit, die bis heute unübertroffen ist.


Die zwei letzten großen Abschiedskonzerte in Mainz hat Hanns-Dieter Hüsch gemeinsam mit Lars Reichow bestritten, den er als Schüler 1982 im legendären "Hagenbuch"-Programm auf Tournee mitnahm - damals noch als Posaunist in der Jazz-Formation seines Vaters Bernd.
Nun hat Lars Reichow seinem menschlichen und künstlerischen Vorbild ein Programm geschrieben. Es handelt von persönlichen Empfindungen und Hüsch-verwandten Werken, aber auch von Hüsch-Texten und Liedern, die ihn besonders bewegt oder gerührt haben. Übrigens: Hüsch war von Anfang an begeistert vom Kollegen Reichow und hat ihn wegen seiner musikalischen Fähigkeiten sehr bewundert.
 

Die Allgemeine Zeitung schreibt über die Premiere vom 18.12.2006:

"Ich will ein Clown sein", singt Lars Reichow ein Chanson von Hanns Dieter Hüsch und belebt posthum eine alte Tradition wieder neu: Hüsch gab stets in der Woche vor Weihnachten im Unterhaus ein Konzert, und viele Freunde der beiden Kabarettisten sind mit Erinnerungen und Erwartungen gekommen - wohl keiner ging enttäuscht nach Hause.

Der Abend mit dem Titel "Hüsch & ich" ist geprägt von großem Respekt wie tiefer Zuneigung, und Reichow kündigt an: "Großer Hüsch und kleines Ich." Der Altmeister selbst habe ihn 1982 als 16-Jährigen mit auf seine Hagenbuch-Tournee genommen und auch seine beiden letzten Konzerte mit ihm zusammen gestaltet - kein Zweifel: Reichow hat Hüsch viel zu verdanken. Und in seinen Texten und Liedern blitzt zuweilen der Schalk des "schwarzen Schafs vom Niederrhein" auf.

Aber Lars Reichow kopiert seinen kabarettistischen Mentor nicht - auch an diesem Abend nicht: Der Mainzer interpretiert eine Auswahl von Hüschs Nummern auf seine eigene Art; was dabei herauskommt, ist eine stilistische Collage, in der die vielseitigen Facetten der beiden Künstler immer wieder aufleuchten. Reichow liest eine von Hüschs Hagenbuch-Nummern vor und schließt wenig später daran eine eigene an: Hagenbuch zu Ehren - gemeint ist Hüsch - soll in Mainz ein Denkmal errichtet werden, und Reichow unternimmt einen rasant spöttischen Höhenflug über die Niederungen des Lokalkolorits und baut mit rasierklingenscharfer Aktualität sogar noch den Landesfürsten Beck mit ein.

Doch es gibt auch leise Töne, die nicht auf Teufel komm raus besinnlich sein wollen und es gerade deshalb sind: Zu Beginn lässt er Meenzer und Määnzer über Hüsch, den Bretzenheimer mit Ecken und Kanten reüssieren - und am Schluss dieser Einleitung spricht sich Reichow selbst das Wort: "Ich könnte heulen, dass er nicht mehr da ist." Man möchte mit einstimmen.

Hüschs Erlebnisse 1968 auf der Burg Waldeck, Reichows Geschichte von der tapferen Sülze kurz vor dem Verfallsdatum, Hüschs Lied für die "seitlich Weggeknickten", Reichows Kinderbetrachtung - oft weiß man nicht genau: Ist das jetzt von diesem oder von jenem?

Der Schluss des Programms könnte dann besser nicht gelingen: Statt selbst Hüschs bekanntes Gute Nacht-Lied (und Reichows Lieblingslied) zu singen, erklingt es vom Band, was jedem im Unterhaus die Möglichkeit gibt, sich noch mal ein Konzert oder eine persönliche Begegnung mit dem Künstler ins Gedächtnis zu rufen, dessen Name in Kleinkunstkreisen immer einen besonderen Klang haben wird. (Allgemeine Zeitung vom 20.12.06)