Der Unterhaltungskanzler

Unterhaltungskanzler
    
Lars Reichow ist der Unterhaltungskanzler

In einer Zeit, in der sich viele Deutsche Heidi Klum als Familienministerin vorstellen können, in der sich das Augenmerk auf das Dekolleté der Regierungschefin legt und die Grabenkämpfe zwischen rechts(s)schaffenden und linksdrehenden Kulturen toben, da braucht es einen, der das Ruder herumreißt.

Der Mainzer Kabarettist Lars Reichow greift nach der Macht: Kleinkunst statt Cohiba, Seriosität statt Saumagen und Genialität statt Gazprom. Als Unterhaltungskanzler möchte er neue Maßstäbe setzen. Reichow macht reinen Tisch in verkrümelten Wohnungen, entreißt den Schwiegereltern die Richtlinienkompetenz, wagt mit Carla Bruni auf dem internationalen Parkett ein Tänzchen und löscht alle Konten in Liechtenstein. Gewohnt pointiert erkennt der Kleinkunstpreisträger die Zeichen der Zeit und schmiedet daraus eine Regierungserklärung, die keine Fragen offen lässt.

Die Presse jubelte zur Premiere, Reichow habe „in der Geschichte des politischen Kabaretts so etwas wie ein neues Kapitel“ aufgeschlagen. Kein Zweifel: Der Unterhaltungskanzler ist angetreten, um sämtliche Kleinkunstbühnen der Republik in blühende Landschaften zu verwandeln. Darauf gibt er dem Volk sein Ehrenwort.