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„Wenn die Hebamme ausstirbt“

 

Reichows Weckruf  
Guten Morgen allerseits! Am Dienstag feiern wir den „Internationalen Hebammentag“. Und weil mir das Thema so wichtig ist, feiere ich ihn schon heute. Und wir sollten ihn jeden Tag feiern. Jede Mutter, die ein Kind bekommen hat und das vielleicht nur geschafft hat durch ihre zuverlässige, freundliche, hilfsbereite und professionelle Hebamme, sollte ihn feiern. Jeder Vater, der weiß, was für ein bedeutender Moment die Geburt seines Kindes war, jeder Mann, der sich etwas ungeschickt angestellt hat und glücklich war, dass seiner Frau eine nervenstarke Hebamme zur Seite gestanden hat. Jedes Kind, das gesund und munter durch die Welt springt, sollte seiner Hebamme dankbar sein, die sich gekümmert hat in guten und in schlechten Tagen vor und nach der Geburt.

Aber leider sieht die Realität etwas anders aus. Unsere Gesellschaft, und damit meine ich auch die egozentrische Ärzteschaft, vor allem aber die Versicherungskonzerne, sie treten diesen Beruf mit Füßen. Eine Hebamme verdient ein erbärmliches Geld damit, dass sie das, was die Eltern später als ihr größtes Glück bezeichnen, ins Leben holt, dass sie sich kümmert und hilft, wenn der Arzt längst nach Hause gegangen ist. Wir unterscheiden zwischen festangestellten und freien Hebammen. Die festangestellten in den Krankenhäusern verdienen zu wenig, ihr Status liegt zwischen Pflegerin und Schwester, sie werden zerrieben zwischen wichtigtuerischen Ärzten und einer gnadenlosen Bürokratie. Die freien Hebammen wiederum werden gegängelt durch eine unverschämt absurd hohe Versicherungsforderung. Systematisch werden sie aus dem Beruf herausgetrieben. Die Jahresversicherungsprämien für Hebammen sind seit 1992 von knapp 180 Euro auf inzwischen über 5000 Euro (!!!) im Jahr gestiegen. Jeder Arzt, jeder Lokführer würde sofort in einen unbefristeten Streik treten, um solche Kostensteigerungen anzuprangern. Es sind aber auch die völlig hysterischen, ja wahnsinnigen Eltern, die zwar auf der einen Seite ein Kind zur Welt gebracht haben wollen ohne jeden Kratzer, auf der anderen aber darauf bestehen, dass die Wehen unterdrückt werden, bis die Geburt in ihren Spaßkalender passt. Hebammen sind dem ständigen Risiko ausgesetzt, dass irgendwer ihnen den Prozess macht.

Jede abstruse Gruppe in unserer Gesellschaft klagt sich heute ein, um als Familie, als Ehe oder als Lebensgemeinschaft anerkannt zu werden. Aber in dem Bereich, wo tatsächlich Leben entsteht, wo die Zukunft unserer Gesellschaft durch Nachkommen gesichert wird,da bieten wir ein klägliches Bild. Unfassbar, wie wir uns mit hochglänzenden Krankenhäusern, selbstbewusst verdienenden Ärzten, mit exorbitant verdienenden Pharmaunternehmen und kerngesunden Versicherungskonzernen schmücken, aber dort, wo im wahrsten Sinne des Wortes der „Nabel des Lebens“ ist, geht plötzlich das Geld aus, weil sich die Politiker aus taktischen Gründen auf die Altenversorgung konzentriert haben. In ländlichen Gebieten wird es bald völlig unmöglich sein, eine Hebamme zu finden. Die Versorgung bricht überall zusammen und seit Jahren warten alle auf das Eingreifen der Politiker.

Am 5. Mai ist HEBAMMENTAG und der Beruf der Hebamme ist einer der wichtigsten und ursprünglichsten, den wir haben. Diese Frauen begleiten das größte Wunder der Menschheit: Ein Säugling zwängt sich aus dem Bauch seiner Mutter heraus und macht mit einem kräftigen Schrei darauf aufmerksam, dass er geboren wurde. Dass man ihn lieben kann. Dass er dazu fähig ist zu lieben. Ein kleiner Mensch, der einen Anspruch darauf hat, all unsere Sorge und all unsere Versorgung zu bekommen. Und wenn wir nicht in der Lage sind, denjenigen, die diesem Menschlein auf die Beine helfen, eine würdevolle, berufliche Existenz zu sichern, dann ist das eine Bankrotterklärung für unsere Gesellschaft. Hoch lebe die Geburt und die Frau, die das Kind als erste aus dem Mutterleib heraushebt – und auch davon leben kann! Ein Hoch auf die Hebammen! Und nächste Woche ist Muttertag* – da gibt’s auch noch einiges zu besprechen ...